Heute fühlte ich mich wieder einigermassen normal. Es war schön zu erwachen ohne schmerzen. Oftmals schätzen wir das doch viel zu wenig… Erst wenn man krank ist, wird einem bewusst wie gut man es hat, wenn man es nicht ist. Leider war das aufstehen trotz allem nicht sehr angenehm. Die Hühner und die Bauarbeiter sind mir unterdessen egal, was neu dazu kam, ist der Nachbars Hund, der unaufhörlich bellte… Ich frage mich, wieso der immer draussen alleine ist. Miriam hat anscheinend schon oft mit ihnen gesprochen, aber es scheint sie nicht zu interessieren. Es macht mir einmal mehr, schwere Gedanken.
Felix und ich beschlossen heute wieder einkaufen zu gehen um unsere Vorräte aufzustocken. Erst musste ich aber zur Bank gehen, da all meine Pesos aufgebraucht waren. Ich liess mir circa 2000 Pesos raus, was umgerechnet 100 Franken entspricht. Anschliessend sind wir noch zu einer anderen Bank, um die 500 Scheine umzutauschen, da man die hier nicht wirklich brauchen kann. Niemand kann die wechseln. Ich gab ihnen 500 Pesos und bekam 25 – 20er Scheine. Danach sind wir auf zum Bodega, dass ist der grosse Supermarkt hier. Dort gibt es so ziemlich alles. Wir haben wieder dick eingekauft, Pasta, Kartoffeln, Gemüse, Salat, Trinken und und und. Die Rechnung war „erschreckend“ teuer. Für uns natürlich nicht, aber 650 Pesos sind hier schon sehr viel. Wir zahlen meistens zwischen 20-50$ für unsere Kleinigkeiten. Nach dem Einkauf, räumte ich alles in den Kühlschrank und in die Küche ein.
Vor unsere kleinen Shopping-Tour, kam Miriam besorgt zu mir und teilte mit, dass ihre Freundin nicht im Shelter sein kann. Sprich Felix würde alleine sein. Direkt schlug ich ihr vor hinzugehen. Ich hatte es sowieso satt, ständig Zuhause zu bleiben. Ich wollte auch die Hunde wieder sehen. Wir waren uns aber einig, dass ich nicht den Abwasch der Hundeschalen machen werde, damit ich nicht zu lange mit Wasser in Kontakt kommen muss. Plus musste ich gut auf mich schauen, mich hinsetzten wenn es zu viel wird, und ausreichend Wasser trinken.
Vor dem Shelter habe ich mich noch kurz hingelegt, da schon das Einkaufen mich etwas geschwächt hat… Was mir etwas Sorgen machte. Ich nahm noch ein Schmerzmittel und schwang mich zu den „Collectivos“ um ins Shelter zu kommen. Die „Collectivos“ sind hier wie die ÖV. Man zahlt 10 Pesos und kommt von A nach B. Es handelt sich dabei um Trucks, bei denen man hinten aufsteigt und teilweise sich auch dran „hängen“ muss. Was ich gerne mal ausprobiert hätte, doch als Frau kriegt man immer einen Sitzplatz angeboten. Versteht mich nicht falsch, das ist sehr aufmerksam, dennoch hätte ich gern mal das richtige Feeling.
Auf dem Weg ins Heim kam ich sehr ins grübeln. Immer wieder wird mir hier bewusst, wie schön wir es in der Schweiz haben und wie unterschiedlich unsere Standards sind. Ich fühle mich hier viel mehr geerdet und lerne kleine Dinge viel mehr zu schätzen. Es ist unglaublich wichtig, wie wir Menschen miteinander umgehen. In der Schweiz, achten sich die Menschen nicht wirklich aufeinander. Geschweige den auf Tiere. Ich würde mir wünschen, dass wir Alle netter miteinander wären und mehr lernen zu schätzen was wir haben. Sei es Liebe, Gesundheit, Familie, Freunde, Ausbildungen, Möglichkeiten, Momente, Geld… Ich hoffe stark, dieses Gefühl möglichst lange in der Schweiz, in mir tragen zu können. Ich denke es wird für immer, irgendwo in mir abgespeichert bleiben, doch die Umstände, werden ihm wohl nicht so viel Raum geben, wie hier. Oft nerve ich mich über kleine Dinge und vergesse dabei, das Grosse-Ganze. Ich möchte nicht wieder in diese Muster fallen und mich von unwichtigen Dingen leiten lassen. Falls ich es vergessen sollte, ist es Zeit diesen Blog erneut zu lesen.
Beim Shelter lief alles Tip Top. Meine Kräfte haben es gut überstanden. Miriam und Sarah waren auch kurz da. Die Hunde haben sich sehr gefreut mich zu sehen und ich mich umso mehr, sie wieder knuddeln zu können. Paar der Welpen sind leider nach wie vor sehr krank. Ich hoffe morgen kein totes Baby finden zu müssen… Nach dem Shelter gingen wir noch kurz in dem Restaurant gleich um die Ecke mexikanisch essen. Tacos – was sonst. Anschliessend gingen wir nach Hause und ich guckte noch dem Sonnenuntergang vom Dach aus zu. Ich liess den Tag und meine Gedanken noch einmal Revue passieren. Ich möchte in der Schweiz mehr tun können. Ich fühle mich bei der Arbeit hier so erfüllt. Ich möchte auch Zuhause mehr leisten können!
Die Neuen sind übrigens noch nicht angekommen, da gab es ein Missverständnis. Die beiden kommen am Sonntag, also Morgen an. Ich bleibe gespannt. Im Hinterhof feiern die eine Riesen Party, was sich nicht so gut mit meiner Frühschicht versteht. Drückt mir die Daumen, dass es nicht zu lange geht! Bis Morgen aus Puerto!

